Kondenswasser am Fenster, oft auch Schwitzwasser genannt, entsteht, wenn warme Raumluft an der kalten Scheibe abkühlt und ihre Feuchte als Tropfen abgibt. Trocknet die Scheibe nach dem Lüften und Heizen schnell ab, war die Raumluft nur zeitweise zu feucht, und regelmäßiges Stoßlüften reicht. Ist sie trotz Lüften und Heizen täglich nass, achten Sie auch auf kalte Außenwandecken und Laibungen: Dort kann Schimmel wachsen, ohne dass Wasser zu sehen ist.
Warum Fenster über Nacht von innen beschlagen
Luft nimmt umso mehr Wasserdampf auf, je wärmer sie ist. Nach Angaben der Verbraucherzentralen passen bei 0 Grad knapp 5 Gramm Wasser in einen Kubikmeter Luft, bei 20 Grad gut 17 Gramm. Kühlt warme Raumluft am Fenster ab, steigt dort die relative Luftfeuchte. Bei 100 Prozent wird das Wasser als Beschlag sichtbar.
Nachts kommt Feuchte aus dem Atem dazu: Laut Verbraucherzentralen gibt ein Mensch pro Nacht bis zu einen halben Liter Wasser ab, etwa so viel wie bei einem Mal Duschen. Sichtbar wird Kondenswasser vor allem auf glatten Flächen wie der Scheibe.
Neue, dicht schließende Fenster ändern die Lage. Im schlecht gedämmten Altbau fällt mit ihnen laut Umweltbundesamt der Luftaustausch über undichte Fenster und Türen weitgehend weg, und Sie müssen mehr aktiv lüften. Bleiben Außenwände und Laibungen dabei ungedämmt und kalt, kann sich an ihnen Feuchte anreichern, bis hin zu Kondenswasser.
Feuchtigkeit am Fenster: Was sie über Ihre Wände verrät
Die Scheibe ist nur die Stelle, an der Sie Kondenswasser sehen. Die gleiche Raumluft trifft auch auf Außenwandecken und Fensterlaibungen. Dort bleibt die Feuchte oft unsichtbar, und Schimmel braucht kein sichtbares Wasser: Er kann laut Verbraucherzentralen schon ab etwa 70 bis 80 Prozent relativer Luftfeuchte direkt vor der Wand wachsen.
Das Umweltbundesamt rechnet dazu ein Beispiel vor. Die Raumluft hat 22 Grad und 50 Prozent relative Luftfeuchte. Eine Wandoberfläche mit 14,5 Grad bleibt trocken, hat aber vor sich schon 80 Prozent, laut Umweltbundesamt genug, um Schimmelwachstum zu begünstigen. Erst eine Fläche unter etwa 11 Grad, der Taupunkt in diesem Beispiel, wird nass.
Eine nasse Scheibe sagt Ihnen, dass die Raumluft für diese kalte Stelle zu feucht ist. Sie sagt nicht, ob auch Ihre Wand in den kritischen Bereich kommt. Das hängt von Dämmung, Raumtemperatur und Wärmebrücken ab, also Stellen, an denen die Wand kälter ist als ihre Umgebung. Was aus dieser Feuchte an der Wand werden kann, erklärt der Beitrag wie Schimmel in der Wohnung entsteht.
Wie viel Wasser am Fenster ist normal?
Drei Situationen helfen bei der Einordnung.
Harmlos: leichter Beschlag am Morgen
Leichter Beschlag nach dem Aufstehen, trocken nach dem Lüften und Heizen: Die Raumluft war für die kalte Scheibe kurz zu feucht. Lüften Sie und wischen Sie die Scheibe ab.
Beobachten: an vielen Tagen Tropfen am Rahmen
Tropfen laufen an vielen Tagen auf Rahmen oder Fensterbank, die Wände sind unauffällig: Dann ist dauerhaft zu viel Feuchte in der Raumluft, oder die Räume sind zu kühl. Stellen Sie ein Hygrometer auf und prüfen Sie Feuchtequellen und Raumtemperatur.
Messen lassen: nass trotz Lüften und Heizen
Das Wasser kommt trotz Lüften und Heizen täglich wieder, oder es zeigen sich kalte Wandstellen, Flecken in Ecken oder an der Laibung. Dann liegt die Ursache vermutlich nicht allein im Verhalten. Lassen Sie Oberflächentemperaturen und Raumklima messen.
Passt Ihre Lage zum dritten Fall, hilft weiteres Experimentieren am Fenster nicht weiter. Dann klärt eine Messung die Ursache.
Was tun gegen Kondenswasser am Fenster?
Lüften Sie nach dem Aufstehen, Duschen und Kochen mit weit geöffneten Fenstern. Gekippte Fenster tauschen die Luft laut Umweltbundesamt deutlich schlechter aus. Bleiben sie in der kalten Jahreszeit lange gekippt, kühlen Laibung und Fenstersturz aus, und dort kann sich Kondenswasser bilden. Wie oft und wie lange Sie lüften, steht im Beitrag Richtig lüften im Altbau.
Halten Sie Räume warm und die Türen zu kühleren Zimmern geschlossen. Warum das hilft, zeigt der Beitrag Richtig heizen gegen Schimmel.
Stellen Sie ein Hygrometer auf, nicht direkt am Fenster. Notieren Sie Temperatur und Luftfeuchte zu festen Zeiten, etwa morgens und abends, und nach Duschen, Kochen oder Lüften, über mehrere Tage. Wie Sie das Gerät aufstellen und die Werte lesen, erklärt Luftfeuchtigkeit messen mit dem Hygrometer.
Nass trotz Lüften: Wann eine Messung sinnvoll ist
Holen Sie jemanden, der misst, wenn mindestens eines davon zutrifft:
- Die Scheibe ist trotz Lüften und warmer Räume täglich nass.
- Es zeigen sich Flecken oder Verfärbungen an Laibung, Außenwandecke oder Fensterrahmen.
- Eine Wand fühlt sich kalt oder klamm an.
- Sie streiten mit Vermieter oder Vermieterin über die Ursache. Die Messung klärt die bauliche Seite, rechtliche Fragen ein Mieterverein.
Ob eine Wärmebrücke dahintersteckt, sehen Sie der Wand nicht an. Laut Umweltbundesamt gibt eine einmalige Messung der Oberflächentemperatur nur bei deutlichem Temperaturunterschied zwischen innen und außen einen Hinweis. Messungen über längere Zeit sind aussagekräftiger und gehören in die Hand von Fachleuten mit passender Ausrüstung und Erfahrung.
Genau das tun wir bei der Ursachenanalyse: Wir messen Raumklima und Oberflächentemperaturen und zeichnen die Werte bei Bedarf über mehrere Tage auf, damit Veränderungen sichtbar werden. Eine Wärmebildkamera macht kalte Bereiche sichtbar, zeigt aber weder Schimmel noch die Feuchteursache. Deshalb nutzen wir sie zusammen mit weiteren Messungen.




